Ein Schwarm zieht ein

Die Imkerei ist immer wieder für eine Überraschung gut. Gestern hatte ich ein Erlebnis, dass einem zeigt, dass die Honigbiene zwar ein Nutztier ist, jedoch keineswegs domestiziert ist. Der Imker kann zwar versuchen ihr Verhalten in eine Richtung zu lenken, die er gerne hätte, aber am Ende machen sie doch, was sie wollen.

Gestern Vormittag konnte ich beobachten, wie sich ein Bienenschwarm in ca. 15-20m Höhe in einer Esche gesammelt hat. Das ist leider etwas zu hoch für mich, um ihn einzufangen. Ich habe die Gelegenheit genutzt, den Nachbarn und zwei Kunden das Schauspiel zu zeigen.

So nah und doch so fern….

Ich hatte noch überlegt, evtl eine leere Beute hinzustellen in der Hoffnung das der Schwarm dort von selber einzieht. Nach ca. 30 Minuten hat sich der Schwarm wieder aufgelöst und ist weiter geflogen. Also keine leere Beute aufstellen. Wie sich heraus gestellt hat, war das auch nicht nötig. Der Schwarm hat sich einen meiner Ableger als neue Heimat ausgesucht. Da waren allerdings schon Bienen drin. Die hatten nur noch keine Königin, da der Ableger erst vor vierzehn Tagen gebildet wurde. Nach ein paar Stunden Trubel vor dem Flugloch war der Schwarm eingezogen und es war wieder Ruhe. Einen Kampf scheint es nicht gegeben zu haben, da keine toten Bienen vor dem Flugloch zu sehen waren. Sah nach einer freundlichen Übernahme aus. Vielleicht weil der Ableger noch keine Königin hatte.

Ein Schwarm zieht in einen Ableger ein

Schwarmalarm in Siek

Am Wochenende waren die turnusmäßigen Arbeiten an den Bienenvölkern sowie einige spezielle Maßnahmen zur Schwarmverhinderung angedacht. Dazu in einem eigenen Beitrag. Nachdem die Arbeiten beendet waren, war ein lautes Summen im Nachbargarten zu hören. Ein Bienenschwarm sammelte sich keine zehn Meter von meinen Völkern. Mein erster Gedanke war, dass eines meiner Völker, die in Schwarmstimmung sind, jetzt doch geschwärmt ist. Ich hatte gerade alle meine vorhandenen Beuten mit Ablegern der Wirtschaftsvölker belegt und nur noch neue unbenutzte Zanderbeuten im Schuppen. Die hatte ich schon auf E-Bay Kleinanzeigen zum Verkauf angeboten, da ich sie aufgrund des unterschiedlichen Rähmchenmaßes nicht mit meinen Segeberger Beuten verwenden kann. Für das Einschlagen eines Schwarmes ist das Rähmchenmaß egal. Der Schwarm hat sich ca. einen halben Meter über dem Boden an einem Strauch im zu den Feldern angrenzenden Knick niedergelassen. Leider gab es keinen mir bekannten direkten Zugang über unsere Gärten. Also alle nötigen Materialen über den Zaun geworfen und den Umweg über die Straße und zurück an den Feldrand.

Bienenschwarm

Direkt unter den Schwarm habe ich eine große Kiste gestellt, die Bienen mit etwas Wasser besprüht und anschließend einige Male kräftig geschüttelt, so dass der Großteil der Bienen in der Kiste waren. Vorher habe ich die Zanderbeute in der Nähe des Schwarmes aufgestellt und eine mit Ambrosiasirup gefüllte Futtertasche eingehängt. Die Bienen in der Kiste habe ich dann in die Beute geschüttet und den Deckel zugemacht. Das Flugloch bleibt offen. Die weiteren Bienen aus der Schwarmtraube in die Kiste geschüttelt und vor dem Flugloch ausgekippt. Die Bienen fingen gleich an zu sterzeln, um den restlichen Bienen der Traube den Weg zum Stock zu weisen. Dabei heben sie ihren Hinterleib an und schwirren mit ihren Flügeln. Durch das Anheben des Hinterleibes wird die Sterzeldrüse freigelegt und ein bestimmter Duftstoff (Pheromon) erzeugt.

Schwarm in der Zanderbeute

Später habe ich noch Mittelwände in die Beute gegeben und die Kiste erstmal stehen lassen, damit alle Bienen den Weg finden. Am Abend habe ich dann den Stock zu meinen anderen Völkern getragen. Ein weiterer Bienenschwarm zog danach noch über unsere Köpfe. Ein sehr beeindruckendes Schauspiel. Beide Schwärme waren übrigens nicht von meinen Völkern. Sie kamen aus Richtung Meilsdorf.

Schwarm am neuen Standort

Schwarmstimmung

Zwei Völker sind weiterhin in starker Schwarmstimmung. Bei den anderen sieht es noch normal aus. Bereits am Donnerstag habe ich die milde Witterung genutzt noch einen weiteren Ableger zu bilden und so den Schwarmdruck von den Völkern zu nehmen. Zusätzlich habe ich den vier stärksten Völkern den zweiten Honigraum gegeben. Bei der heutigen Durchsicht haben zwei Völker wieder Schwarmzellen ausgebaut. Ich hoffe, dass mit dem zusätzlichen Platzangebot und dem herausbrechen der Schwarmzellen, die Schwarmstimmung wieder zurückgeht. Es scheint in diesem Jahr grundsätzlich ein hoher Schwarmdruck bei der Völkern zu sein. Auch andere Imker berichten von vielen bereits abgegangenen Schwärmen.

Ansonsten konnte ich heute den Schlupf einer Jungbiene beobachten. Heute beginnt ihr arbeitsreiches kurzes Leben. Die ersten drei Tage verbringt sie mit dem Putzen der Waben und dem Wärmen der Brut. Ab dem vierten Tag kümmert sie sich um die Versorgung der größeren Larven und füttert sie mit einer Mischung aus Honig und Pollen, dem sogenannten Bienenbrot. Wenn die Futterdrüsen ab dem fünften Tag herangereift sind, füttert sie auch die jüngeren Larven. Ab dem zehnten Tag nimmt sie Honig und Pollen von den Flugbienen entgegen und ab dem vierzehnten Tag wird sie zur Baubiene und baut die Waben aus. Ab dem 18. Tag übernimmt sie die Aufgabe einer Wächterbiene und mit einem Alter von 21 Tagen fliegt sie aus und sammelt Pollen und Nektar. Nach ca. weiteren drei Wochen stirbt die Arbeitsbiene außerhalb des Bienenstocks.

Eine Jungbiene schlüpft
Brutwabe
Höchste Ausbaustufe – Zwei Bruträume unten und zwei Honigräume oben.
Flugbetrieb

Bilden neuer Völker

Ende April wurden die ersten schwärmenden Bienenvölker gemeldet. Die Völker entwickeln sich seit der Rapsblüte rasant. In der Spitze legt die Königin eines Volkes 2000 Eier pro Tag. Jetzt heißt es aufpassen, dass es nicht zu eng in den Beuten wird und die Bienen Schwarmzellen anlegen. Eine Schwarmzelle ist eine größere Zelle und, wenn diese von der Königin bestiftet wird, zieht sich das Volk eine neue Königin heran. Schlüpft diese, zieht die alte Königin mit der Hälfte des Volkes aus und sucht sich einen neuen Ort. Die Schwarmstimmung eines Volkes kann man an verschiedenen Merkmalen erkennen, unter anderem an dem Ausbau der Baurahmen. Die Baurahmen sind einfache Holzrahmen ohne die Vorgabe einer Mittelwand aus Wachs in dem die Bienen frei eine Wabe bauen können. Die Zellen werden größer und die Königin legt hier bevorzugt unbefruchtete Eier aus denen Drohnen werden. Die Drohnenwaben schneidet man regelmässig aus, da sich hier bevorzugt die Varroamilben einnisten. Je nachdem, wie dieser freie Wabenbau aussieht, kann man erkennen, ob sich das Volk in Schwarmstimmung befindet und ggf. schon Schwarmzellen anlegt und ausbaut. Sieht der freie Wabenbau nach einer umgedrehten Glockenkurve aus, ist alles in Ordnung. Bauen die Bienen aber unregelmässig, wie eine Girlande, dann muss man aufpassen und sich das Volk nochmal genauer ansehen.

Aufgrund der Schwarmmeldungen habe ich mich entschieden, am Wochenende trotz der kühlen Witterung zumindest schnell die Drohnenwaben zu schneiden. Dabei ist mir bei drei Völkern ein girlandenförmiger Ausbau der Drohnenwaben aufgefallen. Ich habe mich entschieden, diesen Völkern einige Brutwaben zu entnehmen, damit der Königin neuen Platz zu geben und einen Ableger zu bilden, der im nächsten Jahr zu einem Wirtschaftsvolk wird. Wie sich herausgestellt hat, war das keinen Tag zu früh. Eine der Brutwaben hat bereits eine ausgebaute, verdeckelte Schwarmzellen gehabt. Hier wäre also in spätestens 8 Tagen eine neue Königin geschlüpft.

Brutwabe mit verdeckelter Schwarmzelle links unten

Für einen Ableger wird eine neue Beute mit Boden, einer Zarge und Deckel bereitgestellt. Dazu kommen zwei bis drei Futterwaben sowie vier bis fünf Mittelwände. Der Rest wird mit Brutwaben aus den Völkern befüllt. In diesem Fall habe ich die Brutwabe mit der verdeckelten Weiselzelle auch mit in den Ableger getan. Damit hat das neue Volk früher seine neue Königin. Die Königin müsste spätestens am 13.05.19 geschlüpft sein und ab 20.05. zu ihrem Hochzeitsflug unterwegs sein. Einige Tage später geht sie dann in die Eilage. Die Brut der Brutwaben müsste spätestens am 28.05 komplett geschlüpft sein. Damit könnte es sein, dass dieser Ableger keinen wirklichen brutfreien Zustand haben wird. Das ist etwas ungünstig für die Varroabehandlung mit Mitteln, die nicht in die verdeckelte Brut wirken, aber durchführen werde ich sie in jedem Fall. Der Ableger wird mit vier Brutwaben aufgefüllt und kommt dann an einen 3km entfernten Standort, damit die übernommenen Bienen nicht in ihr altes Volk zurückfliegen.

Zarge mit Futterwaben links und rechts sowie Mittelwänden
Beute mit verschlossenem Flugloch für den Transport
Brutwabe mit Weiselzelle
Der Ableger an seinem neuen Standort mit eingeengtem Flugloch

Wie kommt der Schwarm in die Kiste

Eines der sicher aufregensten Ereignisse in meinem jungen Imkerleben war der Bienenschwarm, der im letzten Jahr in unserem Apfelbaum Zwischenstation gemacht hat. Wie sich später herausstellte, ist eines meiner eigenen Völker ausgeschwärmt und hat fünf Meter weiter Im Apfelbaum Position bezogen.

Eigentlich wollte ich mit meiner Familie nur im Kleingarten das Trampolin weiter aufbauen. Meine Familie ist bereits vorausgegangen und als ich nachkam, hörte ich schon ein großes Gekreische. Bienen im Apfelbaum.

Bienenschwarm im Apfelbaum

Das wirkt auf den ersten Blick schon etwas einschüchternd. Im Grunde aber halb so wild. Als Neuimker hat man ja im Kurs gelernt, dass Bienen nur angreifen, wenn sie etwas zu verteidigen haben und ein Schwarm hat nichts zu verteidigen. Außerdem schlagen sich die Bienen des Schwarms bevor sie ausschwärmen den Honigmagen voll, da man ja nicht weiss, wann es wieder etwas gibt und mit vollem Magen ist die Angriffslust auch deutlich herabgesenkt. Was also tun? Der Schwarm soll eingefangen werden und meinen Völkern zugefügt werden. Wie man das macht, habe ich auf unzähligen YouTube-Videos gesehen. Kann ja nicht so schwer sein. Also zurück nach Hause gefahren, eine Beute geholt und einen Wasserzerstäuber mit Wasser gefüllt und wieder zurück. Glücklicherweise kam noch ein unerschrockender Bekannter vorbei, dem ich noch einen Schutzanzug gegeben habe. Wir haben dann die Bienen mit Wasser bestäubt, die Beute unter den Ast gehalten und ordentlich geschüttelt. Die am Ast verblieben Bienen wurden in die Beute gefegt und das war es.

Kurz vorm Schütteln
Einfegen der Bienen

Ich habe die Kiste bis zum Abend stehen lassen und dann an ihren vorgesehenen Platz gebracht. Tatsächlich konnte ich sogar Honig von diesem Volk ernten

Aber warum schwärmen Bienen eigentlich? Wird der Platz im Bienenstock zu klein, weil zu viele Bienen im Volk sind, bauen die Arbeiterinnen sogenannte Weiselzellen. Diese Zelle wird dann von der Königin mit einem Ei gefüllt und die sich daraus entwickelnde Made wird ganz besonders gefüttert. Sie erhält ausschliesslich Gelee Royal. Dann entwickelt sich aus dieser Made eine neue Königin. Ist diese kurz vor dem Schlüpfen, sammelt die alte Königin die Hälfte des Volkes, zieht aus und sucht eine neue Bleibe. Die neue Königin übernimmt dann die andere Hälfte des Volkes und bleibt im Stock. Das ist die eigentliche Fortpflanzungsstrategie der Honigbiene.

Sollte also bei Euch im Garten sich mal ein Bienenschwarm verirren, könnt ihr einen Imker anrufen, der den Schwarm gerne einfängt. Für Wespen oder Hornissen sind wir Imker allerdings nicht zuständig.